Die beiden Vorreden Paulus Ebers und Niclas Hermans zu des letzteren Sonntags-Evangelia
Wittenberg 1560/61 (Georg Rhau (Erben)).
Nr. DCCLXXXVII. (Wackernagel) – spelling gemoderniseerd voor de leesbaarheid
I= Paul Eber
II= Niclas Herman / Nicolaus Herman (der alte Cantor)
III = Niclas Herman: praktische aanwijzing hoe dit boek te gebruiken (melodieën)

Titel
Die SontagsEvangelia über das gantze Jahr in Gesänge gefasst
für die Kinder und christlichen Hausväter
durch
Nicolaum Herman im Jochimsthal.
Ein Bericht auf was Ton und Melodei ein jedes mag gesungen werden.
Mit einer Vorrede D. Pauli Eberi Pfarrhers der Kirchen zu Wittemberg.
Jesus Syrach am 43.
Lasst uns loben die berühmten Leute,
und unsere Väter nach einander etc.
Sie haben Musicam gelernet, und geistliche Lieder gedichtet etc.
I. Vorrede Paul Eber
Allen tugendsamen, gottliebenden Matronen und Jungfrauen der christlichen und von Gott geliebten Gemein im Joachimsthal, Gottes Segen, Gnad und Trost durch seinen ewigen Sohn, unsern einzigen Mittler, Fürbitter und Heiland Jesum Christum zuvor.
Ihr höret oft von eurer Kirchen treuen Vorstehern und Predigern, wie viel daran gelegen sei, dass man Gottes Wort fleißig handle und von Jugend auf in jedermann dasselbe gemein und bekannt mache. Aus dieser großwichtigen Ursache, dass sich Gott darin offenbaret hat, wie und was er sei, wie er gegen uns gesinnet sei, was er seinen eingebornen Sohn uns zu gut tun und leiden hat lassen, und was für große, unermessliche Güter er uns durch ihn schenken wolle; was er hinwieder von uns erfordere, dass wir glauben, tun, meiden und leiden sollen.
Und wenn wir dasselbe Wort hören, lernen, annehmen, daran glauben und unser Leben darnach richten, will der Sohn Gottes, das ewige Wort des ewigen Vaters, durch solch mündlich gepredigtes, gehörtes, geglaubtes Wort in uns kräftig sein, uns seinen heiligen Geist geben, der in uns Licht, Trost, Freud und Leben anzünde und die Herzen erwecke zu Gottes Liebe, zu Gehorsam, Geduld, Demut, Wohltätigkeit, Keuschheit und allen andern Tugenden, wie im Gesetz Gottes erfordert, dass also alle unsere Seligkeit stehe in Erkenntnis und Annahme dieses Wortes, welches der Sohn Gottes selbst ohne Mittel und durch seine Propheten verkündigt und gepredigt und seinen Aposteln befohlen, in die ganze Welt auszubreiten und zu lehren, mit angehängter Verheißung, dass wer diesem Wort glaube und getauft werde, soll gewisslich selig werden, und verspricht dazu, dass er bei seinen Aposteln und Predigern dieses Wortes sein wolle, alle Tage bis an das Ende der Welt.
Solches sollen wir für gewiss halten und derwegen das mündlich Wort lieb und wert haben und für den Acker halten, davon Matth. 13. sagt, darin der große himmlische Schatz aller geistlichen Güter verborgen ist, welchen zu erlangen wir billig alle unsere Güter verkaufen und diesen Acker oder Fundgrube an uns bringen sollten. Das ist: Wir sollten uns nichts so lieb und wert sein lassen, das wir nicht geringer hielten und hintan setzten, damit wir nur dies Wort haben und behalten könnten.
Diesen Acker aber kann mancher haben, der nicht weiß oder glauben will, dass ein solcher Schatz darinnen vergraben liege; derhalben er ihn entweder nicht achtet und besucht und ihn ungebaut liegen und zur Egerten werden lässt, oder aber, wenn er ihn denselben hoch nützlich macht, er Korn oder anderes Getreide darein sät, dass er Brot und Nahrung davon haben könne.
Also haben ihr wohl viel das Wort und Evangelium, die es doch entweder gar verachten oder nur so fern brauchen, dass sie sich desselben mit dem Mund rühmen oder ihre zeitliche Nahrung dadurch erwerben, aber des darinnen liegenden Schatzes gar nicht wahrnehmen oder sich teilhaftig machen.
Wer nun diesen reichen Acker, das heilige Wort Gottes, recht und mit Nutzen haben will, der muss also bauen: er muss darinnen nachtrachten, danach graben und suchen, bis er ihn findet, und alsdann sich desselben trösten, freuen, gebrauchen und davon andere auch reich machen.
Das ist: Man muss das Wort Gottes auf allerlei Weise handeln und brauchen, mit Hören, Studieren, Lesen, Predigen, Betrachten, Üben, bis man den edlen himmlischen Schatz, den Herrn Jesum Christum samt allen seinen Gütern darinnen findet und ob demselben Trost, Freud, Lust, Frieden im Herzen fühlt.
Unter solchen mancherlei Weisen, Gottes Wort zu handeln und zu üben, ist diese nicht die geringste, dass man Gottes Wort in Reimen und Lieder gefasset, dem gemeinen und jungen Volk zu singen fürgebe in den Kirchen und Häusern. Daraus erfolget dieser Nutzen, dass die Jugend (die sonst Lust und Freud von Natur zu Gesängen hat) dieselben auch eher fasset und länger behält, denn was sonst geredet oder geschrieben ihnen fürgehalten wird, durch solche Gesänge nicht allein in gemeinen Versammlungen in der Kirchen zur Andacht gereizt und bewegt wird, sondern auch solches Wort mit den Gesängen bei sich behält und heimträgt, und da es allein ist, neben anderer Arbeit davon singet und also ihm das Wort Gottes tiefer einbildet und von Tag zu Tag dem Wort besser nachdenkt.
Und ist ohne Zweifel Gott in vieler Werken, die solche christliche Gesänge mit Ernst brauchen, durch seinen heiligen Geist kräftig, dass in denselben gute Gedanken erweckt werden, dadurch sie zur Danksagung, zur Anrufung, zur Geduld, Gehorsam, Beständigkeit im Glauben und Bekenntnis getrieben und in Anfechtungen und Schwermut getröstet werden.
Derhalben wir solche christliche deutsche reine Gesänge sollten lieb haben, unser Gesinde in den Häusern fleißig dazu halten, dass sie dieselben auswendig lernten, oft und mit Andacht sängen.
Aber wir erfahren leider mit betrübtem Herzen, gleichwie man des lieben Wortes Gottes in den Predigten müde und überdrüssig worden ist und nicht mehr achtet, also sind an vielen Orten auch die deutschen geistlichen Lieder also gefallen und aus dem Brauch kommen, dass man in Häusern, Werkstätten und auf den Gassen mehr unflätige Buhllieder und dergleichen hört denn geistliche Gesänge.
Was aber christliche Hausväter und Hausmütter sind, die Gottes Wort lieb haben, werden sich auch hierin fleißig zu erzeigen wissen und ihre Kinder und Gesinde mit Ernst zu den geistlichen Gesängen gewöhnen und selbst mit ihnen singen und bisweilen ein Gesang nach dem andern fein erklären und auslegen.
Solche Hauspredigten schaffen ohne Zweifel großen Nutzen, dass manch einfältig ungelertes Mensch in Nöten und Anfechtungen oft mehr aus einem solchen Gesang sich erinnert und tröstet denn aus einer langen und wohlgesetzten Predigt.
Derwegen alle des Lobes und Dankes wert sind, die der armen Jugend hierin treulich dienen. Wie sich dann der alte Cantor bei euch, Niclas Herman, eine Zeitlang her befleißigt hat und etliche nutze, reine Gesänge mit Hilfe eures treuen Pfarrers, M. Johannis Mathesii, gemacht, die bei euch im Brauch sind.
Als nun gedachter Niclas Herman (zaliger gedachtenis, d.w.z. hij is overleden) mir auch die Evangelia, so man das ganze Jahr über an den Feiertagen und Festen pflegt in der Kirche zu lesen und auszulegen, in gar kurze und leichte Gesänge gebracht, zusandte, der Meinung, dass ich dieselben meinen lieben Kindlein zu singen vorlegte – wie ich sie denn gern zu christlichen Gesängen, lateinisch und deutsch, halte und gewöhne –, haben mir und andern dieselben Gesänge so wohl gefallen, dass ich sie nicht allein für mein Haus behalten und brauchen, sondern auch andern Leuten mitteilen wollte, aus guten christlichen Ursachen, die ich gedachtem Niclas Herman angezeigt und ihn vermocht habe, darein zu bewilligen, dass diese seine Gesänge durch den Druck in der jungen Leute Hände möchten gebracht werden.
Dieselben schicke ich euch zu, ehrbare, tugendsame Frauen und Jungfrauen, wie sie in der Eile haben können gedruckt werden, mit freundlicher Vermahnung: ihr wollet dieselben euren Kindern, Brüderlein und Schwesterlein samt dem andern Hausgesinde vorlegen, welche selbst lesen können; den andern aber, die noch nicht lesen können, vorsingen, also dass sie alle Wochen des vergangenen Sonntags oder Festes Lied aus dem Buch singen lernen. Denn alle Gesänge auswendig zu behalten würde den Kindlein zu schwer und zu viel sein, welche in ihren jungen Tagen auch nicht zu sehr sollen getrieben und beladen werden.
Diese Übung wird dazu dienen, dass die jungen Leute und das einfältige Gesinde den Text der Evangelien desto besser verstehen und sich der vornehmsten Lehre aus den gehörten Predigten fein wieder erinnern können.
So wird es auch nicht abgehen: ob sie gleich die ganzen Gesänge aller Evangelien nicht auswendig merken können, sie werden doch etliche schöne Sprüche der Sonntags-Evangelien aus diesen Gesängen behalten, mit welchen sie sich und andere zur Zeit der Not, in Mangel der Kirchendiener, trösten, lehren und zu vielem Guten vermahnen können.
Dieser und anderer Ursachen halben will ich euch diese Kindergesänge und derselben Meister und Steller, euren alten Cantor Niclas Herman, hiemit treulich befohlen haben, dass ihr in euren Häusern die Lieder fleißig braucht und übt und gedachtem Herman für seine wohlangelegte und nutze Mühe und Arbeit gebührliche Dankbarkeit erzeigt, der Lobes und Lohnes wert ist; sonderlich derhalben, dass, nachdem er eure Söhne und Brüder in der lateinischen Schule nun eine lange Zeit in der schönen Singkunst treulich unterwiesen und geübt hat, er auch in diesem seinem Alter und erlangter Ruhe die übrige Zeit seines Lebens dahin wendet, dass er eurer Jugend und ganzer Gemein auch mit deutschen christlichen Gesängen möge dienen und nütze sein.
Der allmächtige Gott, ewiger Vater unsers Heilands Jesu Christi, wolle euch und ihnen und die ganze Kirche und Gemein im Joachimsthal samt derselben Obrigkeit, treuem Pfarrherrn und allen Seelsorgern und Schuldienern gnädiglich schützen, regieren, erhalten und an ewigen und zeitlichen Gütern segnen und mehren. Amen.
Datum Wittenberg, die Æquinoctii, den 10. Martii 1560.
Paulus Eberus,
Pastor der Kirche zu Wittenberg, D.
II. Vorrede Niclas Herman

Den edlen und gestrengen Herren Florian Griespecken von Griespach auf Katzerau und Braitenstein
und Herrn
Christoff von Gentdorf auf Hohen Elb, Schatzler und Trautenau, Rö[mischer] Kais[erlichen] Maj[estäts] Rechten,
meinen gnädigen Herren und Patronen.
Gütige liebe Herren und Patronen. Es haben die alten lieben Väter und Bischöfe in der ersten Kirche aus sonderlichem Bedacht und Wohlmeinung auf einen jeden Sonntag und Fest übers Jahr eine eigene und sonderliche Lektion aus dem heiligen Evangelio zu lesen und dieselbige in der Predigt auszulegen verordnet, damit das Jahr über der mehrer Teil der Lehre und Wunderwerk unseres Seligmachers Jesu Christi dem Volk vorgetragen und eingebildet würde, auch dass eine gewisse Ordnung und Gleichheit der Lehre in allen Kirchen gehalten würde, welches dann zu Einigkeit der Kirchen und der Lehrer nicht wenig zuträglich, förderlich und dienstlich gewesen ist.
Diese Verordnung der lieben Väter ist ihnen sehr wohl geraten, und großer Nutzen daraus erfolgt. Und so oft dieselbige verordnete Sektion wiederholt und repetiert hat, so hat das Volk von Jahr zu Jahr an dieselbigen Evangelien gewohnt und sie zum mehrern Teil auswendig gelernt, wie ich denn selber in meiner Jugend alte grauhaubtige Leute, schlechte Knechte und Bauernleute gesehen und gekannt habe, welche eines jeden Sonntags und Festes Evangelium fein wussten herzusagen und darneben anzeigten, auf welchen Sonntag dieses oder jenes Evangelium fiele oder gelesen würde.
Daraus ohne Zweifel erfolget, dass mancher Mensch an seinem letzten Ende durch Eingebung des heiligen Geistes irgend eines Spruchs aus dem Evangelio vom Glauben und Vergebung der Sünden oder von der großen Barmherzigkeit Gottes, uns armen Sündern in seinem Sohn unserem Herrn Jesu Christo erzeiget, sei erinnert worden und sich desselbigen durch einen starken Glauben und Zuversicht getröstet und also wie der liebe Simeon mit Frieden und Freude dahingefahren und selig worden ist.
Nun ist solcher Brauch, nachdem die reine Lehre aus Gottes Gnade wiederum an Tag kommen, fast in allen Kirchen bishero geblieben und wird sonder Zweifel bis zum Ende also bleiben. Denn es je ein sehr großer Vorteil ist, die Predigt zu fassen und zu behalten, wenn ein Zuhörer den Text zuvor hat und auswendig kann. Denn alle Punct werden besser verstanden und bemerket und können wiederum ohne große Mühe repetiert und zu Gedächtnis gebracht werden, welches alles, wo der Text fremd und unbekannt ist, mit zwiefacher Mühe und Arbeit und doch schwerlich geschehen kann. Darum ist es auch sehr nützlich und gut, dass die Kinder in der Jugend dazu gewöhnet werden, dass sie neben dem heiligen Katechismo die Evangelia auswendig lernen und also von Kind auf in die heilige Schrift geleitet werden.
Dieweil aber unser lieber Gott die Musicam in Sonderheit dazu geschaffen hat und von Natur dem Menschen eingebildet, dass er dadurch will gelobet und gepreiset werden, und darneben, dass es unwidersprechlich wahr ist und die tägliche Erfahrung bezeugt es, dass alles, was im Gesang verfasset wird, leichtlicher zu lernen und besser zu behalten ist denn was man sonst lieset und höret, derwegen auch die heiligen Propheten und fürnämlich die lieben Freunde Gottes, der König und Prophet David, die großen Geheimnisse von Erlösung menschlichen Geschlechts und von der Geburt, Sterben und Auferstehung, ja von dem ganzen Handel und Wandel unseres Herrn und Seligmachers Jesu Christi in Psalmen gebracht und selbst mit seiner Harfe gesungen und geklungen hat.
Und die heilige Kirche je und je im Alten und Neuen Testament sich der lieben Musica gebrauchet. Denn weil man jährlich auf einen jeden Sonntag Musica brauchet und die lieben Väter die fürnehmsten Stücke und Sprüche der heiligen Schrift, welche entweder ein emsiges Gebet und Anrufung oder eine Danksagung für Gottes Gnade und Güte oder irgend eine sonderliche Wohltat und Wunder Gottes an seinen lieben Heiligen beweiset oder einen Trost, Vermahnung, Lehre, Strafe, Warnung etc. in sich begreifen, in die Musica gleich wie ein edles Steinlein in einem goldenen Fingerlein gefasset und versetzet haben, damit dieselbigen Sprüche desto besser zu lernen und zu behalten wären und der lieben Jugend eingebildet würden.
Und weil die römische Kirche solches in ihrer Sprache, nämlich der lateinischen, getan hat, warum sollten wir Deutschen, nachdem uns der barmherzige Gott zur Erkenntnis seines lieben Sohnes durch Mittel seines heilsamen Wortes gebracht hat, in unserer Sprache den Kindern und Seelen zum Besten solches nicht auch tun oder unterlassen? Und haben zwar solches viel gottseliger und teurer Leute zu unseren Zeiten mit allem Fleiß getan und andere dazu vermahnet und gereizet, damit die reine Lehre dadurch ausgebreitet und dem jungen Volk eingebildet würde, wie denn (Gott lob) geschehen ist und dieselben christlichen Gesänge in Kirchen und Häusern gebraucht und gesungen werden.
Weil ich aber von Jugend auf die Musicam lieb gehabt und meine meiste Zeit damit zugebracht, auch die Kinder mit meinem höchsten Fleiß allhier in Joachimsthal darinnen unterwiesen habe, bin ich durch das Exempel der obgemeldeten gottseligen Männer verursacht worden, die Sonntags-Evangelia in diesem meinem Alter im Gesang zu verfassen. Und bin guter Hoffnung und Zuversicht, es solle mir kein frommer Christ solche meine Arbeit und Fleiß zu einem Argen oder Fürwitz deuten, denn ich hierin nichts anders gesucht denn Kindern und christlichen Hausvätern damit zu dienen.
Und in Sonderheit haben mich dazu verursacht die Jungfräulein, welche im Joachimsthal in der Mägdlein-Schule von der tugendsamen und gottesfürchtigen Matron Catharina Heldin nun bis ins dreißigste Jahr ganz treulich und fleißig im heiligen Catechismo unterwiesen werden und darneben von ihr dazu gewöhnet, dass sie die Evangelia rund und fein können hersagen, daran ich denn oftmals an meinen und andern Kindern einen sonderlichen Gefallen, Lust und Freude gehabt habe.
Denselbigen lieben Kindern, der zarten Jugend, habe ich in Sonderheit hiemit dienen wollen, damit sie die Evangelia nicht allein hersagen, sondern auch singen lernten. Denn das junge Volk von Natur zum Singen geneiget ist, und ist zu besorgen, wo sie in ihrer Jugend nicht an christliche Lieder gewöhnet werden, dass sie etwa an leichtfertige geraten möchten.
Auch habe ich hiemit christlichen Hausvätern, welche am Feiertag mit ihren Kindern geistliche Lieder daheim zu singen pflegen, wollen zu Gefallen werden. Darum ich auch diese und andere meine Gesänge nur für Kinder- und Hauslieder ausgebe und gehalten haben will. Achtet sie jemand würdig, dass er sie in der Kirchen brauchen will, der mag’s tun auf sein Ebenmaß. Ich habe sie vornehmlich dahin nicht gerichtet, will solches Gelehrtern und Geistreichern befehlen und denen, die in heiliger Schrift geübt sind, denn ich bin.
Diese meine Arbeit, gnädige liebe Herren und Patronen, habe ich E. G. derwegen wollen dedicieren und zuschreiben, auf dass ich mich gegen E. G. an den gütigen Willen und günstige Förderung, die mir, unserer Schule und Kirchen mannigfältig erzeiget und bewiesen, etlichermaßen dankbar erzeigete, in untertäniger Hoffnung, E. G. werden diesen meinen guten Willen in Gnaden günstiglichen erkennen und mich armen Alten in E. G. günstigen Schutz, wie vormals, nehmen und mich E. G. aufs Lieben befohlen sein lassen.
Solches will ich mit meinem lieben Vater unser, nach meinem höchsten Vermögen, treulich verschulden und will E. G. Gott unserm Vater durch Christum, seinen lieben Sohn, unsern Herrn und Seligmacher, treulich befohlen haben.
Datum in der kaiserlichen freien Bergstadt Joachimsthal, am Sonntag Trinitatis, Anno 1559.
E[uer] G[naden]
untertäniger und williger Diener
Niclas Herman, der alte Cantor im Joachimsthal.
III. Melodien. Zum Leser.

Damit ein Jeder diese Evangelia singen könne, ob er gleich die Melodien, so dabei notiert, nicht versteht oder lernen mag, will ich hiermit daneben anzeigen, auf welche Weise sie jedermann singen könne, und die andern geistlichen Lieder, die auch auf diese Art gedichtet sind, vermelden.
Liederen met 7 verzen Erstlich so wisse, dass man die Evangelia im Advent und in der Fasten, und welche sonst mehr 7 Verse haben, singen kann auf die Weise:
- Ach Gott vom Himmel sieh darein.
Oder: - Nun freut euch, lieben Christen gemein.
- Es ist das Heil uns kommen her.
- Aus tiefer Not schrei ich zu dir.
- Wo Gott der Herr nicht bei uns hält.
- Es spricht der Unweisen Mund wohl.
Und was der Lieder mehr sind mit 7 Versen.
Liederen met 4 verzen Zum andern so wisse, dass die Evangelia, welche nur 4 Verse haben, mögen alle auf die Weise gesungen werden:
- Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort.
- Wo Gott zum Haus nicht gibt seine Gunst.
- Wohl dem, der in Gottes Furcht steht.
- Christe, der du bist Tag und Licht.
Latijnse hymnen Und wem die lateinischen Melodien der Hymnorum gefallen, wie sie denn gar lustig und fröhlich sind, der mag sie auf dieser nachgeschriebenen einem singen:
- Veni Redemptor gentium.
- Beatus autor seculi.
- Hostis Herodes.
- Christe qui lux.
- Vexilla regis.
- Conditor alme syderum.
- Rex Christe factor.
- Veni creator.
- O lux Beata Trinitas.
Und dergleichen sind in den Hymnen gar viel schöner Melodien.
Es mögen sie auch christliche Jungfräulein an einem Abendreigen singen, auf die Weise: Vom Himmel hoch, da komm ich her. Oder: Aus fremden Landen komm ich her.