Deudsche Messe vnd ordnung Gottis diensts.

Martinus Luther.

Wittenberg.
M.D.XXVI.

“German Mass and how to serve God”

Original German text with images (music notes) interspersed

Vorrhede Martini Luther.

Vor allen dingen will ich gar freundlich gebeten haben, auch vmb Gottes willen, alle die ienigen, so dise vnser ordnunge im Gottes dienst sehen, oder nachfolgenn wöllen, das sie ia keyn nöttig gesetz drauß machen, noch yemands gewyssen da mit verstricken, oder fahen, sondern der Christlichen freyheyt nach, yhres gefallens brauchen, wie, wo, wenn, vnd wie lange es die sachenn schicken vnnd foddern, Denn wir auch solchs nicht der meynunge lassen außgehen, das wir yemand darynnen meystern oder mit gesetzen regiern wollten, sondern, dieweyl allenthalben gedrungen wird auff deutsche Messen vnd Gottes dienst, vnnd groß klagen vnnd ergernis gehet vber die mancherley weyse der newen Messen, das eyn yglicher eyn eygens macht, etliche auß guter meynunge, etliche auch auß furwitz, das sie auch was newes auffbringenn, vnnd vnter andern auch scheynen vnnd nicht schlechte meyster seyen, wie denn der Christlichen freyheyt alle wegen geschicht, das wenig der selbigen anders gebrauchen, denn zu eygner lust oder nutz vnnd nicht zu Gottes ehre vnnd des nechsten besserung.

Wiewol aber eym yglichen das auff seyn gewyssenn gestellet ist, wie er solcher freyheyt brauche, auch niemands die selbigenn zu weren oder zuuerbieten ist, so ist doch darauff zu sehen, das die freyheyt der liebe vnnd des nechsten diener ist vnnd seyn soll. Wo es denn also geschicht, das sich die menschen ergern oder yrre werden, vber solchem mancherley brauch, seind wir warlich schuldig, die freyheyt eynzuzihen, vnnd so viel es müglich ist, schaffen vnnd lassen, auff das die leute sich an vns bessern vnnd nicht ergern. Weyll denn an diser eusserlichen ordnung, nichts gelegenn ist vnsers gewyssens halben für Gott, vnnd doch den nechsten nutzlich seyn kann, sollenn wir der liebe nach, wie sanct Paulus leret, darnach trachten, das wir eynerley gesynnet seyn, vnnd auffs beste es seyn kan, gleycher weyse vnnd geberden seyn, gleych wie alle Christen eynerley tauffe, eynerley sacrament haben, vnnd keinem eyn sonderlichs von Gott geben ist.

Doch will ich hiemit nicht begeren, das die ienigen, so bereyt yhre gute ordnunge haben, oder durch Gottes gnaden besser machen koennen, die selbigen faren lassen vnnd vns weychen. Denn es nicht meyne meynunge ist, das gantze deutsche land, so eben müste vnser Wittembergische ordnung annemen, Ists doch auch biß her nie geschehen, das die stiffte, Klöster vnd pfarhen inn allen stücken gleich weren gewesen, Sondern feyn were es, wo inn einer yglichen herschafft der Gottes dienst auff eynerley weyse gienge, vnd die vmbligende stedlein vnd dörffer mit einer stad gleych bardeten, ob die ynn andern herschafften dieselbigen auch hielten, oder was besonders dazu thetten, sol frey vnd vngestrafft seyn. Denn summa, wir stellen solche ordnunge gar nicht vmb der willen, die bereyt Christen seind, denn die bedürffen der dinge keyns, vmb welcher willen man auch nicht lebt, sonder sie lebenn vmb vnser willen, die noch nicht Christen seind, das sie vns zu Christen machen, sie habenn yhren Gottes dienst im geyst. Aber vmb der willenn muß man solche Ordnunge haben, die noch Christen sollen werden, oder stercker werden, Gleych wie eyn Christen der tauffe, des worts vnd sacraments nicht darff, als ein Christen, denn er hats schon alles, sondern als ein sünder. Aller meyst aber geschichts vmb der einfeltigen vnd des iüngen volcks willen, welchs soll vnd muß, teglich inn der schrifft vnd Gottes wort geübt vnd erzogen werden, das sie der schrifft gewonet, geschickt, leufftig vnnd kündig drynnen werden, yhren glauben zuuertretten, vnd andere mit der zeit zu leren vnd das reich Christi helffen mehren/ vmb solcher willen muß man lesen, singen, predigen, schreiben vnd tichten, vnd wo es hülfflich vnd fodderlich dazu were, wolt ich lassen mit allen glocken da zu leutten vnd mit allen orgeln pfeyffen, vnd alles klingen lassen was klingen kunde, Denn darümb seind die Bebstlichen Gottes dienste so verdamlich, das sie gesetze, werck, vnd verdienst drauß gemacht, vnnd damit den glauben verdruckt haben, vnnd die selbigen nicht gericht auff die iugent vnd einfeltigen, dieselbigen damit inn der schrifft vnnd Gottes wort zu üben, sondern seind selbst dran beklieben, vnnd halten sie als in selbst nutz vnd nöttig zur selickeyt, das ist der teuffel, Auff welche weyse, die alten sie nicht geordnet haben noch gesetzt.

Es ist aber dryerley vnterscheyd Gottes diensts vnd der Messe. Erstlich eine lateinische, welche wir zu uor haben lassen außgehen, vnd heist Formula Misse. Dise will ich hie mit nicht auffgehabenn oder verendert haben, sondern, wie wir sie biß her bey vns gehalten haben, so soll sie noch frey sein, der selbigen zu gebrauchen, wo vnd wenn es vns gefellet oder vrsachen bewegt, Denn ich inn keynen weg will die lateinische sprache auß dem Gottes dienst lassen gar weg komen, denn es ist mir alles vmb die iugent zu thun. Vnd wenn ichs vermöcht, vnnd die Kriechische vnd Ebreische sprach were vns so gemeyn als die lateinische, vnd hette so viel feyner musica vnd gesangs, als die lateinische hat, so solte man einen sontag vmb den andern, in allen vieren sprachen, Deutsch, Lateinisch, Kriechisch, Ebreisch, messe hallten, singen vnd lesen. Ich hallte es gar nichts mit denen, die nur auff eyne sprache sich so gar geben, vnd alle andere verachten, Denn ich wolte gerne solche iugent vnd leutte auffzihen, die auch in frembden landen kunden Christo nutz sein, vnd mit den leutten redden, das nicht vns gienge, wie den Waldenser inn Behemen, die yhren glauben inn yhre eygene sprach so gefangen haben, das sie mit niemand können verstendlich vnnd deutlich reden, er lerne denn zuuor yhre sprache, So thet aber der heylige geyst nicht im anfange, Er harret nicht biß alle welt gen Ierusalem keme vnd lernet ebreisch, sonder gab allerley zungen zum predig ampt das die Apostel redden kunden, wo sie hyn kamen. Disem exempel wil ich lieber folgen, vnd ist auch billich, das man die iugent inn vielen sprachen übe, wer weys wie Gott yhr mit der zeyt brauchenn wird? da zu seind auch die schulen gestifftet.

Zum andern ist die deutsche Messe vnd Gottes dienst, da von wir ytzt handeln, welche vmb der einfeltigen leyen willen geordent werden sollen. Aber dise zwo weyse müssen wir also gehen vnd geschehen lassen, das sie offentlich in den kirchen für allem volck gehalten werdenn, darunter viel seind, die noch nicht glauben oder Christen seind, sonder, das mehrer teyl da steht vnd gaffet, das sie auch etwas newes sehen, gerade, als wenn wir mittenn vnter den türcken oder heyden auff eym freyen platz oder felde Gottes dienst hielten, denn hie ist noch keyne geordente vnd gewisse versamlunge, darinnen man kunde nach dem Euangelio die Christen regiern, Sonder ist eine offentliche reytzung zum glauben vnd zum Christenthum.

Aber die dritte weyse, die rechte art der Euangelischen ordnunge haben sollte, muste nicht so offentlich auff dem platz geschehenn vnter allerley volck, sonder die ienigen, so mit ernst Christen wöllen seyn, vnd das Euangelion mit hand vnd munde bekennen, musten mit namen sich eyn zeychen, vnd etwo in eym hause alleyne sich versamlen, zum gebet, zu lesen, zu tauffen, das sacrament zu empfahen vnd andere Christliche werck zu üben. Inn diser ordnunge kund man die, so sich nicht Christlich hiellten, kennen, straffen, bessern, außstossen, oder inn den ban thun, nach der regel Christi Matthei.xviii. Hie kund man auch eyn gemeine almusen den Christen aufflegen, die man williglich gebe vnd außteylet vnter die armen, nach dem exempel S. Pauli.ii. Corin.ix. Hie dürffts nicht viel vnd groß gesenges. Hie kund man auch ein kurtze feyne weyse, mit der tauffe vnd sacrament halten, vnd alles auffs wort vnd gebet vnd die liebe richten. Hie muste man einen guten kurzen Catechismum haben vber den glauben, zehen gebot vnd vater vnser. Kurtzlich, wenn man die leute vnnd personen hette, die mit ernst Christen zu sein begerten, die ordnunge vnd weysen weren balde gemacht. Aber ich kan vnd mag noch nicht ein solche gemeine oder versamlunge orden oder anrichten, Denn ich habe noch nicht leute vnnd personen da zu, so sehe ich auch nicht viel, die dazu dringenn. Kompts aber, das ichs thun muß vnd da zu gedrungen werde, das ichs auß gutem gewissen nicht lassen kan, so will ich das meine gerne dazu thun, vnnd das beste so ich vermag, helffen. Inn des wil ichs bey den gesagten zwo weysen lassen bleiben, vnd offentlich vnter dem volck solche Gottes dienst, die iugent zu üben vnd die andern zum glauben zu ruffen vnd zu reytzen neben der predigt, helffen foddern, biß das die Christen, so mit ernst das wort meinen, sich selbst finden vnd anhalten, auff das nicht eine rotterey drauß werde, so ichs auß meinem kopff treyben wolte, Denn wir deutsche seind ein wild, rho tobend volck, mit dem nicht leichtlich ist etwas an zufahen, es treybe denn die höhiste not.

[the order]

Wollan inn Gottes namen.
Ist auffs erste im deutschen Gottes dienst, ein grober, schlechter, einfeltiger guter Catechismus von nöten. Catechismus aber heyst eine vnterricht, damit man die Heyden, so Christen werden wöllen, leret vnd weyset, was sie glauben, thun, lassen vnd wissen sollen im Christenthum da her man Catechumenos genennet hat, die leer iungen, die solcher vnterricht angenomen waren, vnd den glauben lernten, ehe denn man sie teuffet. Dise vnterricht oder vnterweysunge, weyß ich nicht schlechter noch besser zu stellen, denn sie bereyt ist gestellet von anfang der Christenheit, vnd biß her blyeben, nemlich die drey stuck, die zehen gebott, der glauben vnnd das vater vnser. In disen dreyen stucken steht es schlecht vnnd kurtz fast alles was eym Christen zu wyssen not ist. Dise vnterricht muß nun also geschehen weyl man noch keyne sonderliche gemeyn hat, das sie auff der Cantzel, zu ettlichen zeytten oder teglich wie das die not foddert, für gepredigt werde, vnd da heymen inn heusern, des abents vnd morgens, den kyndern vnd gesinde, so man sie wil Christen machen für gesagt oder gelesen werde. Nicht alleine also, das sie die wort außwendig lernen noch reden, wie biß her geschehen ist, sonder von stuck zu stuck frage vnd sie antworten lasse, was ein yglichs bedeute, vnd wie sie es verstehen. Kan man auff ein mal nicht alles fragen, so neme man eyn stuck für, des andern tages eyn anders, Denn wo die eltern oder verweser der iugent dise mühe durch sich selbs oder andere nicht wollen mit ihn haben, so wird nymer mehr kein Catechismus angericht warden, Es keme denn dazu, das man eine sonderliche gemeine anrichtet, wie gesagt ist.

Nemlich also sol man sie fragen, Was bettestu? Antwort, das vater vnser. Was ists denn, das du sprichst, Vater vnser im hymel? Antwort, Das Gott nicht eyn yrdenischer, sonder ein hymlischer vater ist der vns im hymel wil reich vnnd selig machen. Was heyst denn dein name werde geheyliget? Antwort, das wir seinen namen sollen ehren vnd schonen, auff das er nicht geschendet werde? Wie wird er denn geschendet vnnd entheyliget? Antwort, Wenn wir, die seyne kynder sollen sein, übel leben, vnrecht leren vnd glauben. Vnd so fort an, was Gottes reich heysse, wie es kompt, was Gottes wille, was teglich brot etc. heysse. Also auch im glauben, Wie glaubestu? Antwort Ich glaube an Gott vater durch auß Dar noch von stuck zu stuck, darnachs diezeyt gibt, eynes oder zwey auff ein mal. Also, was heyst an Gott den vater almechtigen glauben? Antwort, Es heist, wenn das herze im gantz vertrawet, vnd sich aller gnaden, gunst, hülffe vnd trost, zu im gewißlich versihet, zeytlich vnd ewiglich. Was heyst an Jesum Christ seinen sün glauben? Antwort. Es heyst, wenn das hertze glaubt, das wir alle verlorn weren ewiglich, wo Christus nicht für uns gestorben were etc. Also auch inn den zehen gebotten muß man fragen. Was das erst, das ander, das dritte vnd andere gebott deuten. Solche fragen mag man nemen auß dem vnsern bettbüchlein, da die drey stuck kurtz außgelegt seind, oder selbs anders machen bis das man die gantze summa des Christlichen verstands inn zwey stucke als inn zwey secklein fasse im hertzen, welchs seind, glaube vnd liebe. Des glauben secklein haben zwey beutlein, inn dem einem beutlein stecke das stuck, das wir glaubenn, wie wir durchs Adams sünde, allzumal verderbt, sünder vnnd verdampt seind, Ro. v. Psal.I. Im andern stecke das stücklein, das wir alle durch Jesum Christ, von solchem verderbten, sundlichem verdampten wesen, erlöset seind, Roma.v. Joh.iii. Der liebe secklein habe auch zwey beutlein. Inn dem eynen stecke diß stucke, das wir yderman solle dienen vn wolthun wie vns Christus than hat. Ro.xiii. Im andern stecke das stucklein das wir allerley böses gerne leyden vn dulden sollen.

Wenn nun ein kind beginnet solchs zu begreiffen das manns gewene, auß den predigeten sprüche der schrifft mit sich zu bringen vnd den elltern auffzusagen, wenn man essen wil übertissche, gleich wie man vorzeiten das latein auffzusagen pfleget, vnd darnach die sprüche in die secklein vnd beutlein stecken, wie man die pfennige vnd groschen oder gulden in die tassche steckt. Als, des glaubens secklein sey das gulden secklein inn das erste beutlein gehe diser spruch. Rom. v. An eines einigen sünde, seind sie alle sünder vnd verdampt worden. Vnd der Psal. L. Sihe inn sünden bin ich empfangen, vnnd in vnrecht trug mich meine mutter. Das seind zween reymsche gulden in das beutlein. Inn das ander beutlein gehen die vngerischen gulden, als diser spruch.Rom.v. Christus ist für vnser sund gestorben vnd für vnser gerechtigkeyt aufferstanden. Item Jo.iii. Sihe das ist Gottes lamb, das der wellt sünde tregt. Das weren zween gute Vngerische gulden inn das beutlein. Der liebe secklein sey das sylberne secklein. Inn das erste beutlein gehen die sprüche vom wolthun, als Gal. iiii. Dienet vntereinander inn der liebe. Matth. xxv. Was yhr einem auß meynem geringsten thut, das habt jr mir selbs gethan. Das weren zween sylbernn grosschen inn das beutlein. Inn das ander beutlein gehe diser spruch. Matth. v. Selig seyt jr, so jr verfolget werdet umb meinen Willen. Ebre.xii. Wen der Herr liebet, den züchtiget er. Er steupt aber eynen yglichen sün, den er auffnympt. Das seind zween schreckenberger inn das beutlein. Vnd laß sich hie niemand zu klug duncken vnd verachte solch kynderspiel. Christus, da er menschen zihen wolte, muste er mensch werden. Sollen wir kynder zihen, so müssen wir auch kynder mit jn werden. Wollt Gott, die solch kynderspiel wol getryeben wurde, man solt inn kurtzer zeyt grossen schatz von Christlichen leuten sehen, vnd das reyche seelen inn der schrifft vnd erkentnis Gottes wurden, biß das sie selbs diser beutlein, als locos communes mehr machten, vn die gantze schrifft dreyn fasseten, sonst gehets teglich zur predigt, vnd gehet wider dauon, wie es hynzu gangen ist. Denn man meynet, es gelte nichts mehr, den die zeyt zu hören, gedenckt niemant etwas dauon zu lernen oder behalten. Also höret manchs mensch drey, vier iar predigen, vnd lernt doch nicht, das auff ein stuck des glaubens kund antworten, wie ich teglich wol erfare. Es stehet inn buechern gnug geschrieben. Ja es ist aber noch nicht alles inn die hertzen getrieben.

Von dem Gottesdienst.

Weyl alles Gottes diensts, das grössist vnd fürnempst stuck ist, Gottes wort predigen vnd leren, halten wyrs mit dem predigen vnd lesen also. Des heyligen tags oder Sontags lassen wir bleybenn die gewonlichen Epistel vnd Euangelia, vnd haben drey predigt. Frue ümb funffe oder sechse, singet man ettliche Psalmen, als zur Metten. Darnach predigt man die Epistel des tages, aller meyst ümb des gesindes willen,das sie auch versorget werden vnd Gottes wort hören,ob sie ia inn andern predigeten nicht seyn kunden. Darnach eyn antiphen vnd das Te deum laudamus oder Benedictus ümb eynander, mit eynem Vater unser,Collecten vnd Benedicamus domino. Vnter der Messe ümb Acht oder Neune,predigt man das Euangelion,das die zeyt gibt durchs iar. Nach mittage vnter der Vesper,für dem Magnificat,predigt man das alte testament,ordenlich nacheyander. Das wir aber die Episteln vnd Euangelia nach der zeyt des iars geteylet,wie bissher gewonet,halten,Ist die vrsach. Wir wyssen nichts sonderlichs inn solcher weyse zu taddeln,So ists mit Wittemberg so gethan zu diser zeyt,das viel da seind,die predigen lernen sollen an den orten,da solche teylung der Episteln vnd Euangelia noch geht vnd villeicht bleybt. Weyl man denn mag den selbigen damit nütze sey n vnd dienen,on vnser nachteyl,lassen wirs so geschehen,damit wir aber nicht die taddelnn wollen,so die gantzenn bücher der Euangelisten für sich nemen. Hie mit achten wir habe der leyen predigt vnd lere gnug,wer aber mehr begerd der findet auff andere tage gnug.

Nemlich des Montags vnd Dienstags früe geschihet eyne deudsche Lection,von den zehen geboten,vom glauben vnd vater vnser,von der tauffe vnnd sacrament,das dise zween tage,den Catechismen erhalten vnnd stereken inn seym rechten verstand. Des Mitwochens frue,  aber eyn deutsche Lection,dazu ist der Euangelist Mattheus gantz geardenet,das der tag soll sein eygen seyn,weyl es ia zumal eyn feyner Euangelist ist für die gemeyne zu leren vnnd die gute predigt Christi auff dem berge gethan,beschreibt,vnd fast zu übung der liebe vnd guten werck helt. Aber den Euangelisten Johannes,welcher zumal gewaltiglich den glauben leret,hat auch seinen eygenn tag,  den Sonnabent nach mittage vnter der Vesper,das wir also zwen Euangelisten inn teglicher übung halten. Den Dornstag Freytag, frue morgens,habe die teglichen Wochen Lection inn den Episteln der Aposteln vnd was mehr ist im newen testament. Hie mit seind Lection vnd predigt gnug bestellet,das Gottes wort im schwang zu halten,on was noch seind Lection in der hohen schulen für die gelerten.

Für die knaben vnd schuler inn der Biblia zu üben gehets also zu. Die wochen über teglich,für der lection singen sie ettliche Psalmen lateinisch,wie bissher zur metten gewonet,denn,wie gesagt ist,wir wollen die iugent bey der lateinischen sprachen in der Biblia behalten vnd üben. Nach den psalmen lesen die knaben eyner ümb den andern zween oder drey ein Capitel lateinisch auss dem newen testament,darnachs lang ist, Darauff liset eyn ander knabe dasselbige Capitel zu deudsch sie zu üben,vnd ob yemands von leyen da were vnd zu höret. Darnach gehen sie mit eyner antiphen zur deudschen lection, dauon droben gesagt ist. Nach der lection singet der gantze hauffe eyn deudsch lied, darauff spricht man heymlich ein vater vnser. Darnach der pfarherr oder Capplan eyn Collecten, vnd beschliessen mit dem Benedicamus domino, wie gewonet ist.

Desselbigen gleichen zur Vesper, singen sie ettliche der Vesper psalmen, wie sie biß her gesungen seind, auch lateinisch mit einer antiphen, darauff einen hymnus, so er für handen ist. Darnach lesen sie abermal eyner ümb den andern zween oder drey lateinisch auß dem alten testament, eyn gantzes oder halbes Capitel, darnachs lang ist. Darnach lieset eyn knab dasselbige Capitel zu deudsch. Darauff das Magnificat zu latein, mit eyner antiphen /oder lied. Darnach eyn vater vnser heymlich, vnd die Collecten mit dem Benedicamus. Das ist der Gottes dienst teglich durch die wochen inn stedten da man schulen hat.

Des Sontags fur die Leyen.

Da lassen wir die Messegewand, altar, liechter noch bleyben, biß sie alle werdenn, oder vns gefellet zu endern, wer aber hie anders will baren, lassen wir geschehen, Aber inn der rechtenn Messe vnter eyttel Christen, muste der altar nicht so bleyben, vnnd der priester sich ymer zum volck keren, wie on zweyffel Christus im abendmal gethan hat. Nun das er harre seyner zeyt.  

Zum anfang aber singen wir eyn geystlich lied, oder eynen deutschen psalmen in primo tono /auff die weyse wie folget.

[Bible text of Psalm 34 – Luther’s translation]

Darauff Kyrie Eleyson, auch im selben thon, drey mal vnd nicht neun mal wie folget.

(image: see last page of the imagegallery above)

Darnach lieset der priester eyne Collecten inns Ffaut inn vnisono, wie folget.

Almechtiger Gott, der du bist eyn beschützer aller die auff dich hoffen, an welchs gnad niemand ichts vermag, noch etwas für dir gild, lasse deine barmherzigkeyt vns reychlich widerfarn, auff das wir durch deyn heyliges eyngeben dencken was recht ist, vnnd durch deyne krafftt auch dasselbige volbringen, ümb Jesus Christus vnsers herrn willen. Amen.

Darnach die Epistel inn octauo Tono, das er im vnisono der Collecten gleych hoch bleybe, cuius regule sunt iste.
Periodus est finis sententie.
Colon est membrum periodi.
Coma est masio vel membrum Coli.


Regule huius melodie.

Exemplvm.

Er soll aber die Epistel lesen mit dem angesicht zum volck gekert / Aber die Collecten mit dem angesicht zum altar gekeret.

Auff die Epistel singet man eyn deutsche lied, Nun bitten wir den heyligen geyst, oder sonst eyns, vnd das mit dem gantzen Chor.

Darnach lieset er das Euangelion inn quinto tono auch mit dem angesicht zum volck gekeret.

Cuius melodie sunt iste regule. (see above)

Exemplum Euangelij Dominice quarte in aduentu. vt sequitur.

Nach dem Euangelio singt die gantze kirche den glauben zu deutsch / Wir glauben all an eynen Gott.

Darnach gehet die predigt vom Euangelio des sontags oder fests. Vnd mich dunckt, wo man die deutsche postillen gar hette durchs iar Es were das beste, das man verordente, die postillen des tages, gantz oder ein stucke, auß dem buch dem volck für zu lesen, nicht alleyne ümb der prediger willen, die es nicht besser kunden sonder auch ümb der schwermer vnd secten willen zuuerhueten, wie man sihet vnd spüret an den Homilien inn der metten, das etwa eben auch solche weyse gewesen ist, Sonst wo nicht geystlicher verstand vnd der geyst selbst redet durch die prediger (welchem ich nicht will hiemit zil setzen, der geyst leret wol baß reden den alle postillen vnd Homilien) so kompts doch endlich dahyn, das eyn yglicher predigen wird, was er will, vnd an stat des Euangelij vnd seiner auslegunge, widerümb von blaw endten gepredigt wird, Den auch das der vrsachen eyne ist, das wir die Episteln vnd Euangelia, wie sie inn den postillen geordenet stehen, behallten, das der geystreychen prediger wenig seind, die eynen gantzen Euangelisten oder ander buch gewaltiglich vnd nutzlich handeln mögen.

Nach der predigt soll folgen eyne offentliche paraphrasis des vater vnsers, vnnd vermanung an die so zum sacrament gehen wollen, auff die oder besser weyse, wie folget.

Lieben freunde Christi, weyl wir hie versamlet seind, inn dem namen des herrn, seyn heyliges testament zu empfahen, So vermane ich euch auffs erste das jr ewr hertze zu Gott erhebt, mit mir zu beten das vater vnser, wie vns Christus vnser herr geleret vnd erhörung trostlich zugesagt hat. Das Gott vnser vater im hymel vns seyne elende kynder auff erden barmhertziglich ansehen wolte, vnd gnade verleyhen, das seyn heyliger name vnter vns vnd in aller welt geheyliget werde, durch reyne recht schaffne lere seynes worts, Vnd durch brunstige liebe vnsers lebens Wolte gnediglich abwenden alle falsche lere vnd böses leben /darinn seyne werder name gelestert vnd geschendet wird. Das auch seyn reych zu kome vnd gemehret werde, alle sunder, verblendte vnd vom teuffel inn sein reich gefangen, zur erkentnis des rechtenn glaubens an Jesum Christ seynen sün bringen, vnd die zal der Christen groß machen. Das wir auch mit seym geyst gesterckt werden, seynen willen zu thun vnd zu leyden, beyde im leben vnd sterben, im guten vnd bösen, allzeyt vnsern willen brechen, opffern vnd tödten. Wolt vns auch vnser teglich brot geben, für geytz vnd sorge des bauchs behueten, sonder vns alles guts gnug zu jm versehen lassen. Wolt auch vns vnser schuld vergeben, wie wir denn vnsern schuldigern vergeben, das vnser hertz eyn sicher frölich gewyssen für jm habe, vnd für keyner sünde vns nymmer förchten noch erschrecken. Wolt vns nicht eyn füren inn anfechtunge, sonder helffe vns durch seynen geyst, das fleysch zwingenn, die wellt mit jrem wesen verachten, vnnd den teuffel mit allen seynen tücken überwinden. Vnd zu letzt vns wolt erlösen von allem übel, beyde leyblich vnd geystlich, zeytlich vnd ewiglich, welche das alles mit ernste begeren, sprechen von hertzen Amen on allen zweyffel glaubend, es sey ja, vnd erhöret im hymel, wie vnns Christus zusagtt, Was jr bittet glaubt das jrs haben werdet, so sols geschehen, Amen.

Zum andern vermane ich euch inn Christo, das jr mit rechtem glauben des testaments Christi warnemet vnd allermeyst die wort, darinnen vns Christus seyn leyb vnd blut zur Vergebung schenckt, im Herzen feste fasset, das jr gedenckt vnd danckt der grundlosen liebe, die er vnns bewysen hat, da er vnns durch styn blut vor gots zorn, sünd, todt vnd helle erlöset hat, vnd darauff eusserlich das brot vnd weyn, das ist seynen leyb vnd blut, zur sicherung vnd pfand zu euch nemet. Dem nach wöllen wir jnn seynem namen, vnd auß seynem befelh / durch seyn eygene wort das testament also handeln vnd brauchen.

Ob man aber solche paraphrasin vnd vermanung wolle auff der Cantzel flux auff die predigt thun, oder für dem altar, laß ich frey eym yglichen seyne wilkore. Es sihet, als habens die alten biß her, auff der Cantzel gethan, daher noch blyeben ist, das man auff der Cantzel gemeyn gebet thut /oder das vater vnser für spricht. Aber die vermanung zu eyner offentlichen beycht worden ist. Denn da mit bleibe das vater vnser mit eyner kurtzen auslegung im volck, vnd würde des herrn gedacht, wie er befolhen hat am abend essen.

Ich wil aber gebeten haben, das man die selbige paraphrasis vnd vermanunge, conceptis seu prescriptis verbis oder auff eyn sonderliche weyse stelle ümb des volcks willen, das nicht heutte eyner also, der ander morgen anders stelle, vnd eyn yglicher seyne kunst beweyse, das volck yrre zu machen, das es nichts lernen noch behalten kan. Denn es ist ia ümb das volck zu leren vnd zu füren zuthun, darümb ists not, das man die freyheyt hie breche, vnd einerley weyse füre inn solcher paraphrasi vnd vermanung, sonderlich inn einerley kirchen oder gemeyne für sich, ob sie eyner andern nicht folgen wöllen ümb jre freyheyt willen.

Darnach folget das ampt vnd dermunge, auff die weyse wie folget.

Exemplum.

{Text of the Verba Testamenti is sung – see above)
Vnser herr Jesu Christ, inn der nacht da er veraten ward, Nam er das brot, danckt vnnd brachs, vnnd gabs seynen iüngern vnd sprach / Nempt hyn vnd esset, das ist meyn leyb, der für euch gegeben wird, Solchs thut so offt yhrs thut, zu meynem gedechtnis.
Desselben gleychen auch den kelch, nach dem abendmal vnd sprach, Nempt hyn vnd trincket alle drauß, das ist der kelch, eyn newe testament inn meynem blut, das für euch vergossen wird zur vergebung der sünde, solchs thut, so offt jrs trinckt, zu meynem gedechtnis.

Es dunckt mich aber das es dem abentmal gemess sey , so man flux auff die consecration des brots, das sacrament reyche vnnd gebe, ehe man den kelch segenet Denn so reden beyde Lucas vnd Paulus. Desselben gleychen den kelch, nach dem sie gessen hatten etc. Vnnd die weyl singe das deutsche sanctus, oder das lyed, Gott sey gelobt, oder Johans Hussen lied, Jesus Christus vnser heyland Darnach segene man den kelch vnd gebe den selbigen auch, vnd singe was übrig ist von obgenannten liedern oder das deutsche Agnus dei Vnd das man feyn ordenlich vnd zuchtig zugehe, nicht man vnd weyb sonder die weyber nach den mennern, darümb sie auch von eynander an sondern orten stehen sollen. Wie man sich aber mit der heymlichen beycht halten solle, hab ich sonst gnug geschrieben, vnd man findet meyne meynunge im betbuchlein.

Das auffheben wöllen wir nicht abthun, sonder behalten / darümb, das es feyn mit dem deutschen sanctus stymmet, vnd bedeut, das Christus befolhen hat, seyn zugedenken. Denn gleych wie das sacrament wird leyblich auffgehaben, vnd doch drunter Christus leyb vnnd blut nicht wird gesehen, also wird durch das wort der predigt seyner gedacht vnnd erhaben, dazu mit empfahung des sacraments bekand vnd hoch geeret, vnd doch alles im glauben begriffen vnd nicht gesehen wird, wie Christus seyn leyb vn blut für vns gegeben, vnnd noch teglich für vns bey Gott, der vns gnade zurlangen, zeyget vnd opffert.

Das deutsche Sanctus.

Darnach folget die Collecten mit dem segen.
Wir dancken dir almechtiger Herr Gott, das du vns durch dise heylsame gabe hast erquicket, vnd bitten deyne barmherzigkeyt, das du vns solchs gedeyen lassest zu starckem glauben gegen dir, vnd zu brunstiger liebe vnter uns allenn, ümb Jesus Christus vnsers herrn willen, Amen.

Der Herr segene dich vnd behütte dich.
Der Herr erleuchte seyn angesicht über dir, vnd sey dir gnedig.
Der Herr hebe seyn angesicht auff dich, vnnd gebe dir fryd.

That’s the end, but the booklet continues without break with an cantus planus singing exercise for Epistle and Gospelreading

Exercitatio oder übunge der melodeyen.

Auff das man sich wol lerne schicken inn melodeyen, vnd wol gewone der Colon, Comaten, vnnd der gleychen pausen, setze ich hie noch eyn exempel, Eyn ander mag eyn andere nemen.

Text continues

Das sey gesagt vom teglichen Gottesdienst, vnnd vom wort Gottes zu leren, allermeyst für die iugent auff zu zyhen vnnd für die eynfeltigen zu reytzen. Denn die ienigen, so auß fürwitz vnnd lust newer dinge gern zu gaffen, sollen solichs alles gar balde müde vnnd überdrüssig werden, wie sie biß her auch inn dem lateinischen Gottes dienst gethan haben, da man jnn den kirchenn teglich gesungen vnnd gelesen hat, vnnd dennoch die kirchen wüst vnnd ledig blyeben seind, vnnd schon bereyt auch im deutschen thun Darümb ists das beste das solcher Gotts dienst, auff die iugent gestellet werde, vnnd auff die eynfeltigen, so zufals er zu komen. Es will doch bey den andern, wider gesetz noch ordnung, noch vermanen, noch treyben helffen, die laß man faren, das sie williglich vnnd frey lassen im Gotts dienst, was sie vnwillig vnnd vngerne thun, Gott gefallenn doch gezwungene dienst nicht, vnnd seind vergeblich vnnd verloren.

Aber mit den festen, als Weynachten, Ostern, Pfingsten, Michaelis, Purificationis, vnnd der gleychen, muß es gehen, wie biß her, lateinisch, biß man deutsch gesang gnug dazu habe. Denn dis werck ist im anheben, darümb ists noch nit alles bereit, was dazu gehört, alleyne, das man wysse wie es auffeynerley weyse solle vnd möge zugehen, das der mancherley weyse rad vnd maß gefunden werde.

nicht das wir jemand zu fasten zwingen sonder das die Passion vnd die Euangelia, so auff die selbige zeyt geordenet seind, bleyben sollen /doch nicht also, das man das hunger tuch, palmen schiessen, bilde decken, vnd was des gauckelwercks mehr ist, halten /oder vier Passion singenn, oder acht stunden am Karfreytag an der Passion zu predigen haben, sonder die marterwoche soll gleych, wie ander wochen sein, on das man die Passion predige, des tages eyne stunde, durch die woche, oder wie viel tage es gelustet, vnd das sacrament neme, wer do wil/ Denn es soll ia alles, ümb des worts vnd sacramenten willen vnter den Christen geschehen im Gotts dienst.

Summa, diser vnd aller ordnunge ist also zu gebrauchenn, das wo eyn mißbrauch drauß wird, das man sie flux abthu, vnnd eyne andere mache, gleich wie der könig Ezechias die eherne schlange, die doch Gott selbs befolhen hatte zu mache, darümb zubrach vnnd abthet, das die kynder Israel derselbigen mißbrauchten, denn die ordnung sollen zu fodderung des glaubens vnnd der liebe dienen, vnnd nicht zu nachteyl des glaubens. Wenn sie nun das nicht mehr thun so seind sie schon todt vnnd abe, vnnd gellten nichts mehr, gleych als wenn eyn gute müntze verfelschst, ümb des mißbrauchs willen auffgehaben vnnd geendert wird, oder als wenn die newen schuch alt werden vnnd drucken, nicht mehr getragen, sonder weggeworffen vnnd ander gekaufft werden. Ordnung ist eyn eusserlich ding, sie sey wie gut sie will so kan sie inn mißbrauch gerotten, Denn aber ists nicht mehr eyn ordnung, sonder eyn vnordnung, darümb stehet vnnd gillt keyne ordnung, von yhr selbs etwas, wie bißher die Bepstliche ordnunge geachtet seind gewesen, sonder aller ordnunge leben, wirde krafft vnd tugent, ist der rechte brauch, sonst gillt sie vnd taug gar nichts, Gotts geyst vnnd gnade sey mit vnns allen.

Amen.